'past tense' - Wiedersehen nach 39 Jahren.


         

Vor kurzem traf ich einen Freund aus meiner Jugend wieder. Wir hatten uns komplett aus den Augen verloren, vor einigen Jahren auf Facebook wiedergefunden und erst jetzt spontan verabredet. Ich erinnerte mich eigentlich nur an zwei absurde Begebenheiten und bin mir nicht sicher, ob es vor oder nach meinem USA-Jahr war, also mit 15 oder 17. Für kurze Zeit "gingen wir miteinander" wie es damals hieß. Es ist ein seltsames Gefühl, wenn man sich das letzte Mal als junger Mensch gesehen hat und dann plötzlich als mittelreifer Mensch voreinander steht. Gar nicht so sehr in diesem Moment. In dem war es eher, als ob wir nie weggewesen wären. Es gab keine dieser unangenehmen Stillen, in denen man nicht weiß, was man sagen könnte und sich klar darüber wird, dass es schlicht nichts mehr zu sagen gibt.

Nein, dieses seltsame Gefühl tauchte erst im Nachhinein auf, als ich die Zeit und die Ruhe hatte, das Erlebte Revue passieren zu lassen. Einerseits erschienen mir diese rund 37 Jahre wie eine halbe Ewigkeit. Szenen aus einem anderen Leben, das kaum noch etwas mit mir zu tun hatte. Andererseits - was sind schon 37 Jahre? 37 mal Weihnachten, 37 mal Geburtstag, maximal 18 mal Sommerferien (nach der Schulzeit werden sie zu Semesterferien oder Urlaub). 37 mal gute Vorsätze und vielleicht 22 mal feiern als ob's kein Morgen gäbe. 37 Tage sind nur ein Monat und eine Woche. Andererseits sind 37 Jahre ein halbes Leben, wenn man mit 74 stirbt und ein ganzes, wenn im 38. Lebensjahr Schluss ist.

Neulich in einem Interviewausschnitt sagte ein Wissenschaftler, dass wir immer in der Vergangenheit leben, denn unser Bewusstsein nimmt immer erst wahr, was schon passiert ist. Wir können nur rückwirkend beurteilen und bewerten. Wir leben also eine Latenz und hinken der Zeit ständig einen Augenblick hinterher. Dabei soll man doch im Hier und Jetzt leben. Vielleicht ist das der Grund, warum wir unentwegt unsere Zukunft planen und schon im Vorfeld urteilen, wie es werden wird. Auf gewisse Weise gibt das ein Gefühl der Kontrolle. Nicht nur, weil man meint, man wüsste, was kommt. Vielleicht bedeutet es gleichzeitig dem Bewusstsein ein Schnippchen zu schlagen. Nach dem Motto "Ätsch, ich weiß schon vor Dir, wie es ausgehen wird, denn ich habe Phantasie!" Dummerweise bewirkt dieses "vorher schon wissen, was kommen wird", dass der tatsächliche Ausgang uns enttäuschen kann. Oder wir Energie und Zeit verschwenden, wenn wir uns z.B. unnötig Sorgen machen. Vorurteile sind ebenfalls kein guter Begleiter, wenn man neue Menschen kennenlernt. 

Ich glaube, ich überlasse meinem Bewusstsein diese Vormachtstellung. Soll es sich doch im Nachgang überlegen fühlen. Lieber schwelge ich in Erinnerungen, erfreue mich an abgenutzten, verblichenen und verschlissenen Souvenirs aus der Jugend oder treffe alte Freunde wieder als dass ich mich verrückt mache, was vielleicht, irgendwann, eines Tages sein wird. In diesem Sinne - Patina hat ihre eigene Ästhetik.

Sie finden die drei Bilder 'past tense I, II und III' auf meiner Website: past tense I, II, III

Wenn Sie es in einer anderen Größe als den angegebenen haben möchten, sprechen Sie mich an. Auch andere Materialien wie Acryl oder Alu-Dibond sind möglich.

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